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Sandbalmfluh

Sandbalmfluh "Bumsi", 6b+, 5 SL
Diesen Frühsommer dürfen wir uns wegen dem Wetter wirklich nicht beklagen. Dank den stabilen Hochdrucklagen konnten wir so viel klettern gehen, wie schon lange nicht mehr. Ausgerechnet an diesem Abend, an dem ich mit Beat und Kurt für eine MSL-Kletterei verabredet war, meldete der Wetterbericht um 19 Uhr Gewitter.

Was nun? Nach einer letzten Konsultation des Wetterradars wagten wir trotzdem den Aufstieg zur Sandbalmfluh. Rechts von der "Makita" hatte Ruedi und seine Kollegen eine neue Linie eingebohrt. Diese mussten wir natürlich einmal vor Ort besichtigen und hoffentlich auch klettern.

Bereits beim Zustieg strichen dunkle Wolken von Westen über den Gandschijen und die vorgelagerte Sandbalmfluh. Leider kann man die Wetterentwicklung in dieser Ostflanke nur sehr spärlich mitverfogen. So mussten wir uns auf das Bauchgefühl verlassen und notfalls sofort abseilen, sollte sich da etwas zusammen brauen.

Der Einstieg war gut zu finden und liegt ca. 5 Meter rechts der "Makita". Allerdings sah das Ganze wenig verlockend aus. Der Lawinenschnee hatte überall seinen Dreck zurück gelassen und aus den Rissen quoll bereits wieder das erste Gras. Mit Hilfe einiger Camelots war diese Länge aber gut abzusichern und erlaubte auch einen Durchstieg unter schlechten Bedingungen. Nach gut 15 Metern besserte sich die Situation schlagartig - fester Granit und schöne Strukturen herrschten nun vor.

Die zweite Seillänge erforderte ein paar delikate Meter auf Reibung, dann aber legte sich die Wand zurück und erlaubte ein rasches Vorwärtskommen. In der dritten Seillänge quert man eine Rinne und klettert mit einem Runout hoch zum Stand. Die vierte Länge war wieder reibungslastig und folgte einer runden Kante, auf der sich ein kleiner Überhang in den Weg stellt. Links herum kann man diesen Aufschwung aber gut umklettern und erreicht schon bald wieder den Stand.

Nun folgte noch einmal eine Kante, auf die man aber zuerst etwas knifflig rausqueren muss. Dieser Zug ist eher ein Gleichgewichtsproblem als ein harter Boulderzug, trotzdem muss an dieser Stelle nochmals etwas konzentriert vorgegangen werden. Schon bald stand ich am höchsten Punkt der Route und blickte besorgt zum Salbitschijen hoch. Dort war es schon ordentlich grau geworden...

Rasch waren die Seile eingefädelt und mit fünf Abseilmanövern standen wir wieder in der grossen Rinne unten, wo eine Prise Schnupftabak in die Nasenlöcher versenkt wurde. Auf dem Fussabstieg tröpfelte es bereits. Wenig später, mit dem Zuklappen der Hecktüre, prasselte das Gewitter auf unseren fahrbaren Untersatz nieder. Wir sassen im Trockenen und fuhren ins Gwüest hoch zum verdienten Bier. Wie macht es doch Spass, wenn ein Plan perfekt funktioniert!

Vielen Dank an Ruedi Bunschi für die unermüdliche Erschliessertätigkeit. Da Ruedi der Route keinen Namen gegeben hatte, haben wir sie spasseshalber "Bumsi" genannte, ändern dies aber gerne wieder, falls die Kreativität bezüglich Namensgebung bei Ruedi wieder tadellos funktioniert.

Die neue Route ist etwas weiter gesichert als die "Makita", verlangt aber nicht den gleichen Effort. Mit Stellen bis 6b+ kommt man gut durch, dazwischen hat es auch wieder einfachere Klettermeter. Eine solide 6b sollte man aber als Vorsteiger ohne Nervenflattern klettern können, da sonst weite Stürze drohen. Meinen beiden Seilpartnern Beat und Kurz gebührt ebenfalls ein herzliches Dankeschön. Es macht immer wieder Spass mit euch beiden.