Impressum Sitemap

Valletta

Valletta
"Mister Quarz" 5c, 3 SL
"La mano" 6c, 4 SL
"Pilastro di Valletta" 6a, 3 SL
"Via Angelo" 7a+, 5 SL
"Zibeba" 6b, 3 SL

Das von uns in den späten Achtzigerjahren erstmals entdeckte Klettergebiet am Gotthardpass lockt immer wieder zu einem genussvollen Besuch. Inzwischen sind alle älteren Routen komplett saniert und versprechen einen erfüllten Klettertag in perfekt strukturiertem Fibbiagneis. Zusammen mit meinem Bruder Kurt stiegen wir gemütlich durch das noch taufrische Gras der Fibbia entgegen. Mit ein paar Schritten über das Altschneefeld kurz vor dem Wandfuss vermieden wir das etwas lose Geröll und standen nach 40 Minuten gemütlichem Aufstieg am Einstieg zur "Mister Quarz". Das fette Quarzband über unseren Köpfen war Taufpate für diese 1987 eröffnete und komplett sanierte Route.

Alles schien perfekt, wenn bloss dieser giftige Nordwind etwas erlahmen würde. Die fünf Windräder auf dem Pass unten drehten aber munter weiter ihre rasanten Runden: "Wenigstens steigt so die Stromproduktion", dachte ich zu mir, als ich fast fröstelnd am Stand meinen Bruder nachsicherte. In drei gestreckten Längen, wobei die letzte in lohnender Manier einen Steilaufschwung überwindet, erreichten wir den Gipfelgrat. Auf dem gleichen Weg gings am Doppelseil zurück zum Einstieg. Wir hängten nun einen Satz Cams an den Gurt und stiegen gleich rechts davon in "La mano" ein. Das Kernstück dieser Linie ist der cleane Finger- und Handriss in der 3. Länge. Da Kurt diese Route noch nicht kannte, übernahm er die Verantwortung in dieser Schlüssellänge. Eine steile Piazverschneidung, die mittig gelegene, anspruchsvolle Plattenstelle und rund 15 Meter Finger- und Handklemmerei später, hängte er sich erleichtert an die Standplatte. Die letzten 5 Meter musste er hier ungesichert durchziehen, da kein verfügbarer Camelot mehr in den breiter werdenden Riss passte. Mit einem Set 0.5 bis 3 kann ein solcher Runout sehr gut vermieden werden. Der Riss schluckt gierig die mitgebrachten Klemmgeräte.

Wir wendeten uns nach der Abseilfahrt gleich dem "Pilastro di Valletta" zu und erfreuten uns an den geilen Strukturen in der 2. Länge. Weiter oben ist ein kniffliger Aufsteher der Schlüssel zum Erfolg in dieser Route. Schade, dass diese Linie nicht länger ist. Frisch gestärkt, stand nun mit der "Via Angelo" die wohl lohnendste Linie an diesem Massiv auf dem Programm. Herrlich ziselierte Platten, Risse und Verschneidungen lassen das Kletterherz höher schlagen. Auch hier meisterte Kurt die Schlüsselstelle im Vorstieg und jauchzte seine Freude in den Wind hinaus.

Das Schlussbouquet an diesem reich befrachteten Klettertag bildete schliesslich "Zibeba", die jüngste Route im Gebiet. Zusammen mit Stine fand ich 2020 hier ein wirklich lohnendes "Zuckerstücklein" (auf allgäuisch Zibeba). Natürlich wollte nun auch Kurt diese neue Kreation kennenlernen. In drei herrlichen, variantenreichen Längen, gespickt mit schönen Kletterzügen, erreichten wir den letzten Standplatz. "Für heute reicht es wohl", sagte ich zu Kurt, der nickend zustimmte. Im Gotthardmätteli unten besiegelte ein kühles Bier unseren Ausflug zum Gotthardpass. Besten Dank an meinen Bruder für den tadellosen Einsatz in den Schlüsselstellen des Tages!