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Silenen

Silenen, Klettergarten, 4c - 6b
Im griffigen Erstfelder Gneis lässt sich hervorragend klettern. Dies beweisen die zahlreichen kleinen Klettergärten oberhalb von Erstfeld, z.B. der Sektor "Rotes Bähnli" oder der Klettergarten "Wijer". Die dunkelbraune Gesteinsschicht zieht südwärts bis Silenen und Bristen, wird aber zunehmend kompakter. In Silenen wurde vor einigen Jahren ein kleiner Fels mit viel Fleiss vom Efeu befreit und mit einem Hochdruckreiniger sauber geputzt.

Per Zufall bin ich in diesem Frühling auf einem Spaziergang an diesem Fels vorbei gewandert und durfte ein paar junge Kletterer bei ihren Begehungsversuchen beobachten. Der Fels ist sehr vielseitig strukturiert, senkrecht bis leicht drückend und der Wandfuss ist angenehm eben - für ein abendliches Klettertraining also bestens geeignet. Als das Wetter sich wieder einmal zweifelhaft präsentierte und ein lauer Föhn durchs Urnerland blies, war der Zeitpunkt für einen Besuch gekommen.

Stine war sofort für meine Idee zu begeistern und freute sich ebenfalls auf ein neues Kletterrevier. Der kurze Zustieg war rasch erledigt und am Einstieg fanden wir genügend Platz für eine ordentliche Auslage unserer Ausrüstung. Als Aufwärmtour starteten wir in "Ameisi" (5c+) und bemerkten ziemlich schnell, warum wohl genau hier dieser Routenname gewählt wurde. Die fleissigen Arbeitstiere krabbelten an unseren Hosenbeinen hoch, blieben aber insgesamt relativ gutmütig.

Schon auf den ersten Metern begeisterte uns der griffige Gneis. Die geforderten Kletterzüge sind wirklich vielseitig und die Absicherung lässt keine Wünsche offen. Leider ist die zweite Route, mit "Milan" (4c) beschriftet, schon wieder etwas verwachsen und mit jungen Erlenschösslingen durchsetzt. Ein paar dieser störenden Gewächse habe ich während dem Ablassen ausgerupft, für eine komplette Reinigung müsste man aber etwas mehr Zeit investieren.

Der "Bär" (6b), die nächste anvisierte Linie, zeigte sich aber in perfekter Aufmachung, bot unseren Tatzen aber doch deutlich kleinere Haltepunkte. Spannend ist die Schüsselstelle gleich beim zweiten Bolt, wo ein mickriger Zangengriff für links weiterhilft. Das kleine Dach im oberen Teil verlangt nochmals ein gutes Auge und eine Portion Fingerkraft. In anderen Gebieten wäre diese Route vermutlich mit 6c bewertet. Die Bewertung im ganzen Klettergarten ist aber synchron, wenn auch eher hart ausgefallen.

Nun standen mit "Kami-Katze" (6a+) und "Eidechsli" (6a) zwei weitere Linien im Angebot. Nach erfolgreichem Durchstieg der beiden Routen war die Lust auf ein Bier noch knapp erträglich. So kletterten wir nochmals die lohnendsten Routen und begingen im Toprope einen jungfräulichen Wandabschnitt, über den kurioserweise keine Linie gebohrt wurde. Dies holte ich wenige Tage später nach und richtete den "Frächdax" (6b+) in einer kurzen Aktion ein. Besten Dank an Stine für den genussvollen Kletterabend und das leckere Bier im Anschluss ans Training.